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  • Christian Gantner | Unser Landesrat
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Vorarlberg setzt sich ambitionierte Ziele - Energieautonomie+ 2030

Eine zu 100 Prozent aus umweltschonenden, in der heimischen Natur verfügbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse oder Biogas gespeiste Stromversorgung, ein zum Jahr 2005 um 50 Prozent verringerter Ausstoß von Treibhausgasen und ein auf mindestens 50 Prozent ausgebauter Anteil der erneuerbaren Energien: Das sind die wesentlichen Zielsetzungen in der neuen Strategie Energieautonomie+, die Vorarlberg für den Zeithorizont bis 2030 erarbeitet hat. Beim offiziellen Start in die Umsetzung heute, Dienstag (19. Oktober), bekräftigte Landeshauptmann Markus Wallner gemeinsam mit den Landesräten Johannes Rauch und Christian Gantner den ehrgeizigen, energiepolitischen Kurs des Landes, „der parteiübergreifend befürwortet wird und neben Akzeptanz breite Mitwirkung in allen Bereichen voraussetzt“.

Wolfurt, 19. Oktober 2021 - Mit dem einstimmigen Beschluss zur Energieautonomie vor rund zwölf Jahren hat Vorarlberg nicht nur in Österreich, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Energieerzeugung aus heimischen, sich erneuernden Energieträgern und der Energieverbrauch in Vorarlberg sollen sich bis 2050 die Waage halten. „Unsere Zuversicht, dass sich die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger mit auf den Weg in Richtung Energieautonomie begeben, hat sich mehr als nur bestätigt“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner mit Blick auf die zurückliegenden Jahre, in denen bereits erste Erfolge registriert werden konnten. So zeigen die Zahlen im jüngsten Monitoringbericht 2020, dass der Endenergieverbrauch Vorarlbergs zwischen 2005 und 2018 lediglich moderat um 2,7 Prozent zugenommen hat – „und das trotz starkem Bevölkerungszuwachs und dynamischer Wirtschaftsentwicklung“, wie der Landeshauptmann betonte.

Bevölkerung und Wirtschaft ziehen mit
Immer deutlicher werde sichtbar, wie die Energiefrage über die Standortqualität ganz maßgebend mitbestimmt, führte Wallner weiter aus. Umso erfreulicher sei, dass Bevölkerung und Wirtschaft bei der Energieautonomie engagiert mitziehen, „weil sie sich der Notwendigkeit zum Umstieg auf eine Energieversorgung, die vollständig auf erneuerbaren Energien beruht, bewusst sind“. Bei der Energieautonomie gehe es zudem darum, Vorarlberg selbstbestimmter in Energiefragen zu machen. „Das war eine zentrale Intention für den Plan“, hielt Wallner mit Blick auf die derzeit stark steigenden Gas- und Spritpreise fest. Vorarlberg solle keinesfalls zu jenen Ländern gehören, die bei drohenden Energiekonflikten mit dem Rücken zur Wand stehen, so die klare Position. 

Wasserkraft-Ausbau forcieren
Stichwort Unabhängigkeit des Landes: Zur Sprache brachte der Landeshauptmann in dem Zusammenhang auch die jüngst präsentierte Projektidee „Lünerseewerk II“ des Landesenergieversorgers illwerke vkw. Mit dem Großprojekt würde das Unternehmen die Turbinenleistung um rund 43 Prozent, die Pumpleistung um beachtliche 74 Prozent erhöhen. Es wäre Österreichs größtes Pumpspeicher-Wasserkraftwerk. Wallner: „Wir brauchen die Wasserkraft – neben ihrer Bedeutung für die Energieautonomie und den Klimaschutz vor allem auch für die Versorgungssicherheit und das Aufrechterhalten von moderaten Strompreisen, die zu den günstigsten in Österreich und den umliegenden Regionen zählen“. Im aktuellen Preisanstieg bei den fossilen Energieträgern sieht der Landeshauptmann einmal mehr auch bestätigt, wie wichtig der Umstieg auf erneuerbare Energien gerade auch in sozialer Hinsicht ist“. Klar sei aber auch, dass die Umstellung auf erneuerbare Energieträger einen tiefgreifenden Transformationsprozess darstellt, für den entsprechende Investitionen erforderlich sind. „Soziale Fragestellungen dürfen da keinesfalls außer Acht gelassen werden, damit auch Menschen mit niedrigen Einkommen diesen Weg mitgehen können“, bekräftigte Wallner. 

Leuchttürme zur Zielerreichung
„Die nächsten zehn Jahre sind hinsichtlich der Entschärfung der Klimakrise entscheidend“, so Energie- und Klimaschutzlandesrat Johannes Rauch. Für die neue Umsetzungsperiode bis 2030 sieht der Landesrat „Vorarlberg in vielen Bereichen auf einem sehr guten Weg“. Im Zeitraum 2005 bis 2018 sei es etwa gelungen, den Anteil erneuerbarer Energieträger von 36 Prozent auf rund 44 Prozent aufzustocken. „Beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger liegt Vorarlberg österreichweit an der Spitze“, so Rauch. Das nur geringfügige Wachstum beim Gesamtenergieverbrauch und der erfolgreiche Ausbau erneuerbarer Energieträger hätten eine Senkung der Treibhausgasemissionen um satte zwölf Prozent bewirkt.

„Für den Umstieg der Stromversorgung bis 2030 auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist ein massiver Ausbau der Photovoltaikkapazitäten unabdingbar. Das auf Dachflächen zur Verfügung stehende Potenzial lässt sogar noch ehrgeizigere Zielvorgaben zu“, so Rauch. 2020 konnte der Ausbau binnen eines Jahres nahezu verdoppelt werden. Insgesamt wurden im Jahr 2020 994 Anlagen – ausschließlich auf Dächern – mit einer Leistung von rund 17.900 kWp zur Förderung bewilligt. Das entspricht dem Strombedarf von rund 4.000 Haushalten. Das Ausbautempo soll bis 2030 in etwa verdreifacht werden. 

Ausbau klimafreundlicher Mobilität
   Ein weiterer Schwerpunkt zur Erreichung der Ziele ist der Ausbau klimafreundlicher Mobilität. Große Summen werden in den nächsten Jahren in den Ausbau der Fahrradverbindungen investiert werden. Auch der Öffentliche Verkehr wird laufend weiterentwickelt. „Der Vorarlberger Anspruch ist und bleibt es, den dichtesten und besten öffentlichen Verkehr nach der Großstadt Wien zu haben“, sagt Rauch und ergänzt: „Das Ziel lautet, autofreie Mobilität wie in der Großstadt.“ 

„Das Vorarlberger KlimaTicket VMOBIL sowie das österreichweite Klimaticket now schaffen wichtige Anreize für die Bevölkerung auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen“, bekräftigte Klimaschutzlandesrat Rauch.

Klimaneutrale Verwaltung realisieren
Wichtiger Baustein der Energieautonomie+ 2030 ist die konsequente Verwirklichung einer klimaneutralen Verwaltung. Mit der Initiative MissionZeroV hat sich Vorarlberg als erstes Land in Österreich das Ziel gesetzt, die Landesverwaltung klimaneutral zu organisieren. Bis zum Jahr 2040 sollen durch den Betrieb der Landesgebäude und des Fuhrparks verursachte Kohlendioxid-Emissionen möglichst ganz vermieden werden. Bleibt ein Restausstoß unvermeidbar, soll dieser durch Investitionen in Energieautonomie-Projekte zumindest neutralisiert werden. Im Mai dieses Jahres konnte der letzte Ölkessel in einem Verwaltungsgebäude des Landes demontiert werden. Inzwischen ist der Plan der MissionZeroV auf alle landeseigenen Unternehmen sowie Unternehmen mit mehr als 50 Prozent Landesbeteiligung ausgedehnt worden.

Wald als Verbündeter
„Mit dem einstimmigen Landtagsbeschluss zur MissionZeroV Mitte Dezember 2018 durfte ich als damaliger Energielandesrat gemeinsam mit allen Energiesprecherinnen und Energiesprechern der Landtagsparteien ein Stück Geschichte schreiben. Ich bin froh, dass dieser Weg nun so konsequent weiterverfolgt wurde“, freute sich Landesrat Christian Gantner. Mit Blick auf die gestartete Energieautonomie+ 2030 Strategie verwies er als zuständiger Land- und Forstwirtschaftsreferent auf die Rolle des Waldes im Kampf gegen den Klimawandel. Im Holz der Bäume und im Waldboden wird der im CO2 enthaltene Kohlenstoff langfristig gebunden. Und auch die Biomasse sei ein zentraler Baustein der Energieautonomie, sagte Gantner. Daneben können Vorarlbergs Land- und Forstwirte ein zusätzliches Einkommen lukrieren, wobei durch die Forststrategie gewährleistet ist, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen wird, wie auch wieder nachwächst. Aktuell wird in Vorarlbergs Wäldern jedes Jahr weniger Holz geschlagen wie jährlich nachwächst. Neben dem Aspekt der Wertschöpfung, die damit im Lande bleibt, wird die Abhängigkeit von Energieimporten verringert. Positiv auf die Klimabilanz wirken sich die kurzen Transportwege aus. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Arbeitsplätze, die direkt und indirekt mit den heimischen erneuerbaren Energieträgern gesichert und neu geschaffen werden, fasste Gantner zusammen.

Alle Kräfte müssen mobilisiert werden
Der Fachbereichsleiter für Energie und Klimaschutz im Amt der Landesregierung, Christian Vögel, ging in seinem Vortrag auf geplante Aktivitäten in den Sektoren und Handlungsfeldern ein und skizzierte den ambitionierten Weg, den es miteinander zurückzulegen gilt. Vögel: „Dieser kann nur mit vereinten Kräften – Politik, Verwaltung, Interessensvertretern, Institutionen, Zivilgesellschaft und Bevölkerung – erreicht werden. Alle Kräfte müssen mobilisiert werden, um gemeinsam die ersten Schritte in der Umsetzung zu setzen“. 

Videogruß, Referat und Vorbildprojekt
Mit einem Videogruß wandte sich Bundesministerin Leonore Gewessler an alle Gäste der Auftaktveranstaltung. Marta Hodasz von der Abteilung Klima und Energie im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie referierte zum Thema „Gamechanger für die Energiewende – das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und Energiegemeinschaften“. Bürgermeister Simon Lins aus Schnifis stellte das mit dem Energy Globe ausgezeichnete „Energieautonomie+“-Pilotprojekt „Schnüfner Strom“ der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Schnifis vor. 

Danke für „engagierten Einsatz“
Allen, die in den letzten Jahren in vielen Workshops, Arbeitsgruppen und Veranstaltungen ehrenamtlich mitgewirkt haben, sprachen Landeshauptmann Wallner und die Landesräte Rauch und Gantner ein großes Dankeschön aus. „Von den Expertinnen und Experten, NGO’s, Interessensvertretern und Institutionen, die sich eingebracht haben, ist ein enorm wichtiger Beitrag für die Energieautonomie geleistet worden“, würdigten der Landeshauptmann und die beiden Landesräte den „engagierten Einsatz“. 

Landesauszeichnung für Karl-Heinz Kaspar
Karl-Heinz Kaspar, der fast drei Jahrzehnte im Energieinstitut Vorarlberg beschäftigt war und das erfolgreiche e5-Landesprogramm aufgebaut hat, wurde von Wallner kurz vor Ende der Veranstaltung mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes geehrt. Unter Anleitung von Kaspar wurde das Vorarlberger e5-Modell später auch in Tirol und Salzburg umgesetzt. Inzwischen ist das e5-Programm in sieben österreichischen Bundesländern und acht europäischen Staaten etabliert. Bereits die Hälfte aller Vorarlberger Gemeinden sind Teil des e5-Programms, damit leben 85 Prozent aller Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in e5-Gemeinden. Die Laudatio für Karl-Heinz Kaspar hielt Altlandesrat Erich Schwärzler. 

Fotos: A. Serra


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